Lange bevor der Name Loesmann auf der Benninghauser Heide auftauchte, existierte an dieser Stelle der Gasthof, „Zum Predigtstuhl“, zurückzuführen auf das 1726 errichtete und noch heute erhaltene Heiligenhäuschen, das Hauptstation bei der alljährlichen Fronleichnamsprozession war. Aus dieser Zeit stammt auch ein Wirtshausschild, das jetzt über dem Treppenaufgang zur „Hühnerwieme“ zu bewundern ist.

Es war das Jahr 1783, die Brüder Montgolfiere gingen mit Ihrem Heißluftballon das erste Mal in die Luft, die Vereinigten Staaten von Amerika sagten sich vom Königreich England ab, Deutschland war in viele kleine Fürstentümer zerteilt und Napoleon spielte vorerst noch mit Zinn-Soldaten.

In diesem Jahr siedelte der erste Loesmann, Joan Henricus, der zuvor als Bäcker, Schlachter und Brauer am Gutshof des Benninghauser Zisterzienserklosters tätig war, auf der Benninghauser Heide an.

Der Stammbaum der Loesmanns läßt sich anhand alter Kirchenbücher bis ins Jahr 1667 auf die Hochzeit von Joan Theodor und Catharina Loesmann aus Erwitte zurückverfolgen. Ältere Hinweise wurden im 30-jährigen Krieg zerstört. Der Name Loesmann läßt sich nicht, wie dies wohl naheliegt, von „Löß“, dem fruchtbaren Boden der Soester Börde ableiten. Die erste Silbe stammt vielmehr von „Los“, in früheren Jahrhunderten gleichbedeutend mit frei, was wohl mit der Befreiung von der Leibeigenschaft zu tun hatte.

Joan Henricus heiratete am 17.01.1783 die Witwe Elisabeth Möller, die zuvor mit Ihrem Mann Kotten und Gasthof bewirtschaftet hatte. Im gleichen Sommer brannte das Anwesen bis auf die Grundmauern nieder. Noch im selben Jahr bauten die Eheleute Loesmann wieder auf. Davon zeugen zwei Chronogramme, die in Balken geschnitzt und in das Haus miteingearbeitet wurden. Die Summe der großen Buchstaben ergibt dabei jeweils die Jahreszahl 1783. Beide Chronogramme sind noch heute im Hause Loesmann zu sehen, dessen Hauptteil - Fachwerk mit Lehm - bis in die Gegenwart im ursprünglichen Zustand erhalten ist. Aus dieser Zeit stammt auch die alte Standuhr, die noch heute im Schankraum tickt, sie wurde 1784 angefertigt.

 

Die Straße, die am Haus vorbeiführt, hieß bis vor einiger Zeit noch „Alter Postweg“, der sich zu damaligen Zeiten jedoch nicht immer im besten Zustand befand. Davon zeugt ein Reisebericht der Fürstin Pauline zur Lippe an den Drosten zu Erwitte (Zitat): “absonderlich ist aber im Benninghäuser Distrikt ein so abominables, grundloses Loch vorhanden, das der Postwagen oder eine Chaise mit acht Pferden daraus nicht gebracht werden kann“.

Das Haus war damals Postkutschenstation, hier wurden die Pferde gewechselt. Loesmann und Pferde - die Verbundenheit zu den Vierbeinern ist geblieben, insbesondere Fritz Loesmann, der vielen noch als langjähriger Bürgermeister in Erinnerung ist, war für seine Pferdezucht über die Grenzen der Region bekannt.

 

Eine weitere starke Verbundenheit existiert mit dem Benninghauser Schützenfest. Schon im Jahre 1836 war der Sohn von Joan Henricus, Franciscus Antonius Loesmann, Festwirt des Benninghauser Schützenfestes, was aus einer Einladung im damaligen Wochenblatt hervorgeht. Fritz Loesmann führte die Festwirt-Tradition in Benninghausen bis in die 70er Jahre dieses Jahrhunderts fort, nur die letzte Generation (4 Söhne!) tauschte den Platz hinter mit dem vor der Theke. Allerdings nur in Benninghausen, die Festbewirtung als zusätzlicher Geschäftszweig ist geblieben.

In der dritten Generation führte Franciscus Theodorus die Schankwirtschaft und den Kotten auf der Heide, er erweiterte das Anwesen 1868 um 10 Morgen Land und verbesserte seine Einkünfte durch den Außerhausverkauf von (selbstgebrannten) Schnaps und Transport-Dienstleistungen mit Pferd und Wagen.

 

In der vierten Generation führten zwei Inhaber das Anwesen. Der erste, Theodor Friedrich Anton, verstarb im Jahre 1922 und übertrug den Besitz auf seinen jüngsten Bruder Anton Ferdinand. Anton Ferdinand erweiterte die Wirtschaft als Vereinslokal für Genossenschaften und Vereine. Anton Loesmann und seine Ehefrau Anna erlebten beide noch das 175-jährige Bestehen der Schankwirtschaft, das im Jahre 1958 gefeiert wurde.

Die Entwicklung zum bekannten Ausflugslokal ist ein besonderer Verdienst der Eheleute Fritz und Irene Loesmann, die frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannten und den Schwerpunkt Ihrer Tätigkeit in den Bereich der Gastronomie verlagerten. Sie bauten unter dem Motto „Gepflegte Gastronomie mit westfälischen Spezialitäten“ die Gasträume mit viel Liebe zum Detail aus, so daß das 200-jährige Bestehen im Jahre 1983 auch überregional starke Resonanz fand. Anläßlich des Jubiläums schrieb die Zeitschrift „Das Gastgewerbe“: „Dank der Entschlossenheit seiner Besitzer, Irene und Fritz Loesmann, gehört der Betrieb heute zu den wenigen hervorragend erhaltenen Zeugnissen vergangener Generationen in Ostwestfalen“.

Diese Entschlossenheit setzt der heutige Wirt, Markus Loesmann, mit der Erweiterung des Biergartens, dem Ausbau der alten „Deele“ zum Gesellschaftraum und der Spezialisierung der Küche auf saisonale Gerichte mit regionalem Charakter, fort.

„ Loesmann auf der Heide - Ein Haus für nette Gäste“ wird auch in Zukunft unser Motto sein - Der Gast soll sich wohlfühlen, dafür sind wir da.

Ihre Familie Loesmann

 

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